
Ausstellungsansicht Berlin Weekly

„Der Wilhelm oder Die Stadt schlägt zurück”

Im Januar, es waz zu eisig-glatt zum Radeln, war ich zu Fußam Zoo unterwegs.
Aus Richtung Tauentzienstraß kommend, blieb mein von Schaufenstern müder Blick an einer löchrigen Ziegelsteinfassade hängen.
Sowas pittoreskes kannte ich nur aus Italien und jetzt mitten in Berlin, überraschte mich ein gemauerter Stumpf an einer Stelle, an der ich schon tausendmal gewesen war...
obwohl ich mich doch ästhetisch eher für Egon Eiermanns Kirchenbau interessiere, fesselte mich nun die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, oder vielmehr das, was 1945 von ihr übrig geblieben ist,
...nun war ich so begeistert von meiner Neu-Entdeckung; dieses fantastische Ensembles, eine klaffende, steinerne architektonische Kommentierung aus Zeiten der Nachkriegsmoderne erhielt. Während die am 1955 ausgelobten Wettbewerb teilnehmenden Architekten noch von einer räumlichen Carte Blanche ausgingen, verdarben in jenem Falle zu viele KöchInnen nicht den Brei: Erfolgreiche Proteste aus der
BürgerInnenschaft sicherten den partiellen Verbleib der Turmruine...Ich frage mich, weshalb ich in meiner künstlerischen Auseinandersetzung mit konservativen Architektur-Rekonstruktionen noch nie auf dieses gelungene Gegenbeispiel gestoßen bin? Wir brauchen Ruinen, wir brauchen Wunden, wir brauchen Fassaden, die eine gebrochene Geschichte erzählen.